ReimBerg Slam 11.12.2010

Im Finale des letzten ReimBerg Slams 2010 standen sich am 11. Dezember zwei Slammerinnen gegenüber. Eva Specht und Sandra Schmied performten was das Zeug hält und um- garnten ihre Zuhörer mit Worten und Texten, die aus dem Leben gegriffen waren. In Evas erstem Text des Abends behandelte sie das Thema „Respekt vor den Worten“ und zeigte auf, wie schwer es Worte haben. So schwer, dass sie bereits die Selbsthilfegruppe „Stoppt den Missbrauch“ gründeten, um sich unter (Wort-)Leidensgenossen auszutauschen und zu stärken. Aber auch als Single hat man es nicht leicht, wie Sandra in ihrem ersten Text zum Besten gab. Nach erfolgreich überstandener Zwischenrunde trafen die beiden Slammerinnen in der Endrunde erneut aufeinander. Eva, die sich wortstark über den unmoralischen Sender RTL2 ausließ und Sandra, die ihrem „Ex“ nicht hinterhertelefoniert, dabei aber merkt, dass ständig besetzt ist.

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Letztendlich gewann Eva Specht, die sich sichtlich über die Rosen-Stimmen der Zuhörer und einen Amazon-Gutschein freute.

Sandra Schmied ist eine wahre Reimländerin und nicht nur in Bonn und Köln zu Hause sondern auch auf der Slam-Bühne. Bei uns belegte sie den zweiten Platz des Abends und zeigte in ihrem ersten Text des Abends, dass sie nicht nur slammen sondern auch super gut (Deutsche) Dialekte beherrscht und diese perfekt ein- setzt, um die Anmachsprüche diverser Männern wiederzugeben. Da kann man nur bestätigen: Das Single-Dasein ist nicht leicht!

Das die Körpergröße eines Menschen eine wichtige Rolle spielt, zeigte sie uns mit ihrem zweiten Text des Abends. Spielt diese doch eine große Rolle die Wahrnehmungen von Menschen zu beeinflussen, so ist ein Bäuerchen eines Babies super und jeder freut sich darüber, was aber, wenn ein Erwachsener ähnliches von sich gibt…

Von weit her (Marburg) kam er und performte frei sein Gedicht „Ich hab Dich lieb“. Mit viel Interaktion präsentierte Benedict Hegemann seinen Text. Anfangs war nicht ganz klar, ob er die Angebetete nun wirklich liebte oder doch eher hasste, verglich er sich doch mit Amerika und die Angebetete mit dem Irak, Islam und Hiroshima. Er schmückte gemeinsame Unternehmungen verbal mit „blut“-getränkten Bildern: „Wie romantisch weit Deine Körperteile fliegen als Du auf eine Tretmiene trittst“ oder „ich grabe Dich bei lebendigem Leib im Sand ein, bis die Flut kommt“… alles Ausdrücke, um seinen eigenen Schmerz – nicht zurück geliebt zu werden – auszudrücken.   Benedicts website

Bene live beim ReimBerg Slam mit seinem Liebesgedicht.

David Grashoff konnten wir an diesem Abend zweimal slammen hören. Den Einstieg machte er mit einem kurzen und lustigen Ge- dicht. Danach folgte mit durchdringender Stimmlage, was man laut Gesellschaft darf und was man nicht darf. „Tu jenes…, tu dieses… lass das…, mach das nicht…“ alles Satzanfänge, die jeder von uns zur Genüge kennt. Von klein auf bekommt man diese Vorschriften von der Gesellschaft gemacht. Vorgaben von Außen, ein Greuel für jedermann, deswegen Davids Tipp: „Du hast nur ein Leben, mach‘ was draus!“    Davids website

David live beim ReimBerg Slam mit seinem Text „Du hast nur ein Leben, mach‘ was draus“ und seinem Text aus der zweiten Runde.

Stuttgart 21 – wer hat es nicht mitbekommen?! Wohl jeder, selbst die bis dahin noch nie streikende Oma ging zum demonstrieren auf die Straße. In David Meiländers Text berichtet er, über seine Oma, die zusammen mit ihren Freundinnen und einer Flasche Eierlikör an vorderster Front dabei und vor allem „dagegen“ war. Das Streiken lässt sie aufblühen und leider auch Rolf kennenlernen. Der Enkel wird dann mittels Seniorenhandy – das er ihr selbst geschenkt hat – darüber informiert, dass er bitte dem Opa ausrichten solle, dass er eine Woche Zeit habe die Wohnung zu räumen. Was für ein Chaos! Dabei will er doch nur seine Oma zurück und mit ihr Rosamunde Pilcher schauen und mit dem Opa Schach spielen.    Davids website

Jan Möbus berichtet von einem Slam in einer x-biliebigen Stadt zwischen Köln und Timbuktu. Jeder kann sich sofort in die Situation hereinfinden und schmunzelt bzw. lacht vor sich hin – entsprechen doch viele Klischees der Wahrheit. Ein mutiger Text über die Slam- gemeinde.

Ganz im Sinne des Textes von David Grashoff, ist auch Jan der Ansicht, dass die Meinungsäußerung ein sehr wichtiges Gut des Menschen ist und dieser seine Meinung vertreten soll, so sagte er in seinem zweiten Text: „Überzeugt sein, ist wie schwanger sein – man kann es nicht ein bisschen sein.“

Loony Lorna performte auf Englisch und machte Ihre Leiden-schaft für die „mountains“ zum Thema und agierte mit unterschied-lichen Stimmlagen die Beziehung zwischen dem Berg und dem Bergsteiger, der ihn erklimmen möchte. Mit tiefer und myteriöser Stimme hauchte sie dem Berg Leben ein und ließ ihn zum Berg- steiger sprechen. Ein toller Text, der vor allem das Herz von Berg- und Naturbewunderern höher schlagen und den ein oder anderen Zuhörer nickend Zustimmung signalisieren ließ.

Loony live beim ReimBerg Slam mit ihrem Text „Blizzard“

Ein wahres Heimspiel bestritt Mario Rembold an diesem Abend. Der gebürtige Bergisch Gladbacher, der mittlerweile zwischen Trier und Bergisch Gladbach hin- und herpendelt, erzählte von nachts um 1:29 Uhr. Eine Uhrzeit zu der man meistens alleine ist, oder doch nicht??? Ist da doch noch jemand und ist nicht zu jeder Zeit jemand bzw. viele irgendwo? Denn „überall ist ein Raum“ und „in diesem Moment sind wir überall!“ Wir freuen uns, wenn er uns bei seinem nächsten Auftritt erneut mitnimmt auf eine Zeitreise. dann vielleicht um 1:31 Uhr.

Mario live beim ReimBerg Slam mit „1:29 Uhr“

Maximilian Humpert präsentierte Kurzlyriks von einem sehr, sehr jungen Autor, der diesen Text noch gar nicht aufschreiben kann, aber dafür gibt es ja Max. Und dieser zeigte uns im Ver- lauf seines Textes, wie viel Inhalt in „Mama, oh Mama“ oder „Darf ich auf Deinen Schoß“ steckt. Der junge Autor – Luca *2005 – erhält mit Max‘ Besprechung „Das neue Wunderkind“ endlich den wohlverdienten Respekt und die Aufmerksamkeit, die seine Aussagen/Kurzlyriks verdienen. Max kann aus Lucas Verhalten bereits heute herauslesen, dass er mit Sicherheit einmal BWL studieren wird.     Maximilians website